Freitag, 13. Januar 2012

Othello wird vernünftig

Man könnte auch sagen, wir haben ihn weichgekocht. Ihr erinnert euch an Othello, den Black Welsh Mountain Bock?
Nun, wir haben ihn vor die Wahl gestellt: Entweder du kommst zur Besinnung oder zum Schlachter.
Natürlich reicht die Androhung von Konsequenzen bei einem Schaf nicht aus, wir brauchten Argumentationshilfe.

Die Therapie: Aus dem Stall mußte er heraus, da die trächtigen Tiere da im Winter einziehen und er zu viel Unruhe verbreitet hätte. So kam er in einen etwas abgelegenen Unterstand in Einzelhaft. Er blökte herzerweichend, sobald er Mensch oder Schaf hörte und bearbeitete ansonsten nach alter Manier alles mit seinem Schädel, dessen er habhaft werden konnte. Die trächtigen Walliser konnten ihn theoretisch besuchen, haben es aber nicht getan. Denen war der Typ wohl auch nicht ganz geheuer.

Das Hilfsmittel: Letzte Woche war dann der große Tag. Zunächst wurde ihm eine Bockmaske aus altem Teppich gebastelt, danke an dieser Stelle wieder einmal an die Schaf-Foren für diesen Tipp. Damit Böcke mit ihrem Schädel zustoßen können, müssen sie natürlich bis kurz vorher sehen, was sie da auf die Hörner nehmen wollen. Wie ein Pferd vor dem Sprung. Gerade, wenn Böcke sich mit ihresgleichen messen wollen, nehmen sie gerne mehrere bis mehrere -zig (!) Meter Anlauf, senken den Kopf, und dann auf ihn - ohne Gebrüll. Nimmt man dem Bock nun die Sicht nach vorne, kann er sein Ziel nicht mehr anpeilen, egal ob Pfosten oder Rivale. So weit die Theorie.

Das Ergebnis: Was soll ich sagen - es hat funktioniert.
Nach zwei Tagen hatte er sich die selbstgebastelte Maske zwar abgescheuert, aber läuft nun friedlich zwischen den anderen Böcken, als wäre nie etwas gewesen.

Ob es nun die "Therapie" war oder das Hilfsmittel sei dahingestellt.
Othello ist in die Bockherde integriert. Und nach all unseren bisherigen Erfahrungen mit anderen Böcken dürfte er nun kuriert sein. Wir freuen uns sehr darüber.

Übrigens:
Auch Steinn, der Gotlandbock, der im November fast eine Woche unterwegs war, ist immer noch brav bei den Jungs. Er hat seine kleinen Freunde und hält sich aus Konfrontationen heraus.

Und hier das Beweisfoto: Vorne rechts Othello, vorne links Steinn. Dahinter die buntgemischte Widder- und Böcketruppe. Wie man sehen kann, sieht Othello keine Bedrohung in mir, obwohl ich direkt vor ihm stehe. Er steht völlig entspannt da und macht keinerlei Anstalten, einen Angriff vorzubereiten, fixiert mich nicht einmal. In die Hocke bin ich dann aber doch nicht gegangen, obwohl es eine schönere Perspektive für das Bild gewesen wäre. Man muss es mit dem Vertrauen ja nicht übertreiben. ;-D