Sonntag, 26. August 2012

"Schafherde zum Nachweiden gesucht"

Da wir keinerlei eigenes Weideland haben, sind wir darauf angewiesen, Grünland beweiden lassen zu dürfen.
Im Prinzip haben wir genug Flächen zur Verfügung, freuen uns aber immer über Ausweichflächen. Besonders zum Herbst hin ist es gut, wenn wir unsere Winterweiden noch schonen und die Tiere sich auf anderen Flächen satt fressen können.

Vor kurzem bekam ich eine Email von einem Pferdezüchter auf der anderen Seite des Stocksees mit der Frage, ob unsere Schafe nicht seine Weiden nachweiden könnten. Wie sich heraus stellte, handelte es sich vor allem um eine große Fläche, die erst noch urbar gemacht werden sollte. Das Land, auf dem früher Torf abgebaut wurde, ist zu feucht, um mit schweren Maschinen befahren zu werden. Genau der richtige Auftrag für unsere Special Task Force. Die Schafe sollen so viel wie möglich von der Vegetation auffressen, dass die Fläche etwas abtrocknet und dort später Gräben gezogen werden können, damit das Land zu Weideland für die Pferde werden kann.

Für einige Wochen können unsere Schafe auch einmal auf einem feuchteren Stück laufen, auf Dauer ist das allerdings nicht gut für die Klauen. Walliser dürfen dort gar nicht hin, aber Engländer und die Mixe. Wensleydale Longwoolbock Edward ist mit einigen Bocklämmern vorübergehend umgezogen. Das gute Dutzend hat Binsen, Brennnesseln und Co. den Kampf angesagt. Aber auch Gräser und viele Kräuter wachsen dort, der Tisch ist reichlich gedeckt.


"Jungs, wo seid ihr denn alle??!"

                                                       


                                                    "Na Edward, das sieht ja schon ganz ordentlich aus!"
                                                     (Es sah vorher alles aus wie auf dem oberen Bild)



                Die Jungs arbeiten verbissen an ihrem Auftrag. Bis über beide Ohren in den Binsen...

Ryeland-Coburgermixlamm

                                                           ...und in den Brennnesseln.

Skudden- und Shetlandlämmer

Gotland-Coburgermixlamm




Gotland-Coburgermixlämmer


Als wir die zu beweidenden Flächen besichtigt hatten, fragte ich den Pferdezüchter, wie er auf uns gekommen ist.
- "Ich habe in die Suchmaschine eingegeben `Schafherde zum Nachweiden gesucht`", war die Antwort. 
Eine tolle Sache.


Außerdem dürfen wir auch wieder den Parkplatz und einen Teil der Kirschplantage des Stockseehofs beweiden lassen. Das ist besonders fein, da die Flächen direkt neben unserem Haus sind. Obendrein handelt es sich hier um gepflegte Flächen, auf die wir die Muttertiere mit den Lämmern lassen können.




 


Direkt neben den Damen standen ein paar Tage noch Artie und seine Söhne. Artie nimmt schon einmal Kontakt auf. Leider (für ihn) ist noch der Zaun dazwischen. Zwischenzeitlich haben wir die Herren auf eine andere Weide gebracht, da noch keine Decksaison ist. Das ist dann doch gemein, die Damen die ganze Zeit vor der Nase zu haben.


Montag, 20. August 2012

Was für eine Hitze

Das Wochenende war sehr heiß, das Thermometer kletterte bis auf 35Grad Celsius. In Süddeutschland, vor allem aber Südeuropa und den USA war es in der letzten Zeit deutlich heißer, ich weiß. Aber für Schleswig-Holsteinische Verhältnisse ist das ganz schön warm, obwohl hier meist noch ein laues Lüftchen weht.

Die Tiere gehen ganz unterschiedlich mit der Hitze um.

Zwergwidder Amy hat sich ein oberirdisches schattiges Plätzchen gesucht. Ihre Schwester Ginger ist
 nicht zu sehen, sie hat sich in einem von ihr gegrabenen Bau verkrochen. Da ist es bestimmt schön kühl.

                                                              


                                     Der Lieblingsplatz von Filou ist unter dem Ranunkelstrauch.
                                                 Den ganzen Tag verschläft sie im Schatten.




                                      Ihre Schwester Maris streckt sich im Schatten des Apfelbaums.




                                   Ich persönlich bevorzuge die Bank in unserer lauschigen Laube.




                                      Luise liegt gerne auf den kühlen Steinen unter der Bank.



Die Schafe verhalten sich sehr unterschiedlich. Walliser mögen Wärme überhaupt nicht. Sie ziehen sich im Laufe des Vormittags in den Schatten zurück, den sie vor dem frühen Abend nicht verlassen. Dann wird aber die halbe Nacht gefressen

Micra und ihr drei Tage altes Bocklamm kuscheln sich trotz Wärme noch aneinander.




Die Walliser ohne Lämmer, einige sind noch tragend, kriechen schon fast in die Schwarzdornhecke. Ich werde nie verstehen, warum sie nicht gemütlich auf der anderen Seite der Weide im Schatten der weit auf die Weide ragenden Haselnußsträucher liegen, sondern in diese stachelige Hecke krabbeln.




Ähnliches gilt für die lammführenden Walliser. Sie nutzen den Schatten der alten Melkriege, die eigentlich vor allem Schutz vor Regen bieten soll. Auch auf dieser Weide gibt es Schatten von Bäumen und Sträuchern, den ich persönlich viel angenehmer finde.




Ganz anders die Shetlander und die abgesetzen Wensleydale Longwool Lämmer. Selbst in der größten Mittagshitze grasen sie ungerührt. Es kann also nicht nur mit der Herkunft einer Schafrasse zusammen hängen, wie hitzeempfindlich ein Tier ist. Die Shetlandinseln sind ja nun auch nicht gerade für Hitzerekorde bekannt. Die Temperaturen im Sommer betragen dort selten über 20Grad. Reichlich Wolle haben die Shetlander nach der Schur auch schon wieder, daran kann es ebenfalls nicht liegen. Und auch das englische Yorkshire, die Heimat der Wensleydale, ist im Sommer nicht übermäßig heiß.




Auch die Islandpferde, die ursprünglich aus einem ähnlichen Klima wie die Shetlandschafe kommen, grasen in der größten Hitze. Ich würde mich ja lieber hinten durch den Schatten fressen.



                                 So oder so, nicht vergessen: Immer ausreichend trinken!





Samstag, 18. August 2012

Wolle Update - der Rest vom Fest Schur 2012

Ich bin ja so stolz auf mich. Endlich habe ich alle Bestellungen abgearbeitet und die verbliebene Wolle gesichtet. Und ich habe sogar Bilder gemacht. Auf der Unterseite WOLLE findet ihr die noch vorhandenen Vliese.

Die restliche Walliser Schwarznasenwolle, die ich noch hatte, habe ich nach Sassen zum Waschen und Kardieren geschickt (wie dekadent.... ;-) ). Demnächst kann ich dann weiße kardierte Walliser Wolle anbieten.







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Freitag, 10. August 2012

Bleiberecht für Monty

....aber nur als Hammel. Monty ist ein fünf Monate altes Shetland Bocklamm. An dieser Stelle (*KLICK*) habe ich schon einmal unter anderem von ihm und seiner Zwillingsschwester Tiffy berichtet. Ich möchte Monty gerne behalten, aber nicht als Bock. Da ich ihn nie als Deckbock einsetzen würde, möchte ich ihn lieber als Hammel am Haus laufen haben und nicht auf der entfernten Bockweide.

Da Monty allmählich anfing, Interesse an den Damen zu zeigen, was ihn allerdings auch nicht davon abhält, immer noch bei seiner Mutter Marcy zu trinken, war es an der Zeit, ihn entmannen zu lassen. Der Termin beim Tierarzt war schnell vereinbart, gestern war es soweit. Die Kastration sollte unblutig statt finden.

Kurzerhand wurde Monty für die drei km in´s Nachbardorf in das Auto verfrachtet. Der sonst so freche und selbstbewußte Monty war dann doch recht verunsichert, was man ihm deutlich ansieht.



                                                       


In der Praxis angekommen kamen unser Tierarzt und seine neue Assistentin, die das Kneifen noch üben muss, zu uns nach draußen. Monty bekam eine Sedierung und lag ganz ruhig auf der Seite.

Gekniffen werden Böcke mit Hilfe der Burdizzo Zange, die den Samenstrang und die Blutversorgung für den Hoden abklemmt.
Hier wird die Zange angesetzt und arretiert. Sie muss natürlich exakt sitzen, damit die Versorgung der Hoden auch komplett unterbunden wird.



                                        Die Zange bleibt dann für zwei Minuten geschlossen.


Das Ganze dann natürlich auch noch auf der anderen Seite. Äußerlich ist nichts zu sehen. Wie bei einer operativen Kastration sind die Tiere auch hier natürlich nicht sofort zeugungsunfähig.

Zu Hause angekommen war Monty noch recht benommen, nach einer halben Stunde stand er aber bereits wieder und graste, als wäre nichts gewesen. Erfahrungsgemäß wird das Gewebe die nächsten Tage etwas anschwellen und Monty zu einem etwas breitbeinigen Gang veranlassen.

Dann werden die Hoden nach und nach verkümmern, bis nach einigen Wochen nur noch ein kleiner schlaffer Sack vorhanden ist.

Das Kneifen ist für mich DIE Methode, einen Bock zum Hammel zu machen. Gerade im Sommer ist die Gefahr einer Infektion bei einem operativen Eingriff ungleich größer. Ganz abgesehen von den sowieso vorhandenen Risiken einer OP.

Wer einfach nur ein paar nette Schafe halten möchte, z.B. als Wolllieferanten, sollte durchaus auch die Möglichkeit bedenken, sich Hammel anzuschaffen, bzw. Böcke, die er kastrieren läßt. Hammel sind nicht mehr tesosteronvernebelt und triebgesteuert wie es Böcke manchmal sind, es sind komplett friedliche und ruhige Genossen, die vor allem auch ein paar Schmuseeinheiten durchaus zu schätzen wissen.

Montag, 6. August 2012

Fotosession Verkaufstiere

Ein Interessent aus Thüringen, der einen neuen Widder für die Zucht braucht, hat mich gebeten, Bilder von den Walliser Schwarznasenwiddern zu machen, die zum Verkauf stehen. Dummerweise hat Andie die Lammwidder zusammen mit ihrem Vater Artie gerade heute auf eine frische Weide gestellt.

Mit Fotografieren war es schlecht, die Jungs hatten nur den Kopf im fetten Gras und waren nicht dazu zu bewegen, sich repräsentativ hinzustellen. Also habe ich Andie gebeten, die zwei, die ich ausgeguckt hatte, festzuhalten. Diese beiden neun Monate alten Lammwidder sind besonders schön gezeichnet, die Flecken in der richtigen Größe, haben einen ausgeprägt maskulinen Kopf und sind auch sonst gut gebaut.

Hier haben die drei Aufstellung genommen. Ein anderes Widderchen kommt schon neugierig herbei.


                                        



                                                So sehen die drei dann von hinten aus. :-D




                                                                 Nummer 1 im Detail.




                                                                    Und hier Nummer 2.
                 Doch was ist das? Von links schleicht sich ein kleiner brauner Teddybär in´s Bild...





                                                        ...und stellt sich einfach mal dazu...




                                            "Hey Frodo, du bist doch gar nicht zu verkaufen!"
                    Wieder von links kommt noch jemand dazu, es ist Artie, der Vater der Walliser
                                                                         Schwarznasenwidder.





                                  So sah das Ganze dann von vorne aus. Mir ist vor lachen fast die Kamera
                                                                   aus der Hand gefallen! ^^





                                                   Nach kurzer Zeit kam dann der Rest auch noch dazu und wir
                                                   erklärten die Fotosession für beendet.




                                                                  Na geht doch!

                                        

Sonntag, 5. August 2012

Purzelnde Lämmer

Insgesamt acht Walliserinnen haben jetzt gelammt. Es gibt Einzellämmer und Zwillinge. Bisher sind die weiblichen Lämmer noch in der Überzahl, sehr zu unserer Freude. Die letzte Lammsaison der Walliser stand ganz im Zeichen der Bocklämmer.